| |
Martin Luther King entschloss sich, angesichts des anstehenden Poor People's March zuerst in Memphis, Tennessee zu demonstrieren und sich nochmals für die (soziale) Gleichberechtigung aller einzusetzen. Außerdem konnte man den Besuch in Memphis als eine Art Test sehen, wie stark die Massen auf ihn reagieren würden.
Am 28. März 1968 endete zum ersten Mal eine von King angeführte Demonstration in Krawallen, Plünderungen und Bränden. Heute ist bekannt, dass das FBI Schwarze als Provokateure einsetzte.
Am 3. April 1968 sagte er in seiner berühmten Rede I 've been to the mountaintop, dass er das Gelobte Land (Original: Promised Land) gesehen habe. Viele deuteten diesen Satz als Todesahnung. King sprach noch einmal mit den Demonstranten, um sie von der Gewaltlosigkeit zu überzeugen und legte den 8. April als neuen Termin für eine Demonstration fest.
Am 4. April 1968 um 18.01 Uhr wurde Dr. King auf dem Balkon des Lorraine Motels erschossen. FBI-Agenten, die ihn observierten, rannten nach dem Schuss sofort zu King und waren die ersten, die Erste Hilfe leisteten – vergeblich. In über 100 Städten kam es nach der Ermordung Kings zu Krawallen, bei denen 39 Menschen ums Leben kamen, 2.000 verletzt und 10.000 Personen verhaftet wurden; Washington D.C. wurde von sehr schweren Unruhen erschüttert. Präsident Johnson sagte eine Reise nach Hawaii ab, wo über den weiteren Verlauf des Vietnamkrieges beraten werden sollte.
Am 8. April 1968 führte Coretta Scott King anstelle ihres Mannes den geplanten Protestmarsch durch Memphis. Etwa 35.000 Menschen nahmen friedlich an ihm teil, den Bewohnern war verboten worden, während des Protestes die Fenster zu öffnen. Präsident Johnson wollte am selben Tag in einer Rede ein umfangreiches Hilfsprogramm für Schwarze in Aussicht stellen. Da sich die Lage aber schon bald nach Kings Tod normalisiert hatte und der Kongress protestierte, wurde die Rede zuerst verschoben und dann gänzlich abgesetzt. Jedoch hat der Kongress später ein Gesetz für die Gleichberechtigung bei den Mietpreisen und dem Erwerb von Wohneigentum verabschiedet.
Martin Luther King jr. wurde am 9. April 1968 unter der Anteilnahme von 50.000 Menschen in Atlanta auf dem South View Cemetery, einem Friedhof für Schwarze, beerdigt. In seinen Sarg waren die letzten Worte seiner Rede I have a dream eingraviert: „Free at last! Free at last! Thank God Almighty, we are free at last!” (etwa: „Endlich frei! Endlich frei! Dank Gott dem Allmächtigen, wir sind endlich frei!”). An einem Trauergottesdienst in der Kirche, in der er als Pfarrer tätig gewesen war, nahmen zu Ehren Kings viele Prominente und mächtige Personen teil: z.B. der damalige Vize-Präsident Hubert H. Humphrey, Robert Kennedy, Richard Nixon oder Nelson Rockefeller.
Kriminaltechnische Untersuchungen und Verschwörungstheorien In einem Raum gegenüber dem Motel fand man die Waffe, mit der laut ballistischer Untersuchungen der Schuss abgegeben worden war. Auf ihr fand man lediglich zwei Fingerabdrücke des mehrfach vorbestraften James Earl Ray, eines im April 1967 entflohenen Häftlings, der offen rassistische Ansichten vertrat. Nach zweimonatiger Flucht wurde Ray schließlich in London verhaftet. Er gestand die Tat und wurde unter Berücksichtigung seines strafmildernden Geständnisses zu 99 Jahren Haft verurteilt. Wenige Tage später widerrief Ray sein Geständnis und beteuerte in den nächsten Jahrzehnten seine Unschuld, erreichte aber keine Wiederaufnahme seines Verfahrens.
Seit dem Attentat verstummten nie die Gerüchte über eine Verschwörung, in der die US-amerikanische Regierung verstrickt gewesen sein soll. Verschwörungstheoretiker versuchen zu beweisen, dass Ray, ähnlich wie es von manchen beim John F. Kennedy-Mörder Lee Harvey Oswald vermutet wird, als „Alibi-Täter” missbraucht worden ist, oder, wenn er geschossen hat, Helfer aus Regierungskreisen hatte. Diese Vermutungen gründen sich hauptsächlich auf den von Ray selbst verfassten Verschwörungstheorien, kriminaltechnischen Untersuchungen und Zeugenaussagen wie der Jim Green, eines ehemaligen Sheriffs aus Pemiscot County, Missouri. Diverse offizielle Untersuchungen von US-Justizministerium, Repräsentantenhaus und Staatsanwaltschaft kamen jedoch immer zu dem Ergebnis, dass Ray geschossen habe und es nicht sicher sei, ob er Helfer gehabt habe.
Ray soll lediglich ein unbedeutender Dieb und Einbrecher gewesen sein, der nie einer bewaffneten Straftat überführt worden ist. Oft wurde er während seiner kriminellen Laufbahn schnell und ohne größere Probleme festgenommen, wenn nach ihm gefahndet wurde. Diese Vorgänge stehen im scharfen Kontrast zu seiner Flucht am 4. April 1968: er schaffte es, mehrere Sicherheitskontrollen an Flughäfen zu passieren, indem er Namen von Männern angab, die ihm ähnlich sahen, in ähnlichem Alter waren und einen vergleichbaren Körperbau hatten. Auch soll Ray, nach Aussagen von befreundeten Gefängnisinsassen, nie irgendwelche politischen oder rassistischen Meinungen geäußert haben, weshalb von manchen sein Motiv angezweifelt wird.
Auch sollen zwei weitere, voneinander unabhängige ballistische Untersuchungen ergeben haben, dass weder schlüssig bewiesen werden konnte, dass die gefundene Waffe (eine Remington Gamemaster, Modell 760, Kaliber 30-'06) tatsächlich die Tatwaffe ist, noch dass Ray sie abgefeuert hatte. Zudem fand man im Badezimmer des Motels, von wo aus Ray geschossen haben soll, keinerlei Fingerabdrücke von ihm.
Sheriff Jim Green, der behauptete, Teil einer FBI-geführten Verschwörung zur Ermordung Kings gewesen zu sein, gab an, dass Ray bereits kurz vor seinem Gefängnisausbruch als „Sündenbock” für den Mörder Kings ausgewählt worden ist und während seiner Zeit als Flüchtling stetig vom FBI verfolgt wurde. In dieser Zeit reiste er ein paar Mal nach Kanada und Mexiko und ging danach nach Memphis, wo er als Ablenkung für einen großen Banküberfall fungieren sollte. Der Überfall würde sich, so wurde es laut Green Ray erzählt, einfacher als gewöhnlich abwickeln lassen, solange sich King in Memphis aufhält, da viele Polizisten zu seinem und dem Schutz seiner Gefolgsleute beordert sein würden. Wochen zuvor soll ihn noch ein gewisser „Raoul”, den auch Ray in vielen seiner Theorien als seinen Kontaktmann erwähnte, beauftragt haben, die Tatwaffe in Birmingham, Alabama abzuholen. Green behaupte auch übereinstimmend mit Ray, dass der damalige FBI assistant director Cartha DeLoach die Verschwörung leitete.
Außerdem haben Zeugen, die am Tatort waren, ausgesagt, dass der Schuss nicht direkt vom Motel, sondern von einem Platz hinter einem dichten Buschwerk in der Nähe abgefeuert wurde. Diese Büsche sollen in den folgenden Tagen nach dem Attentat weggeschnitten worden sein.
Lloyd Jowers Neue Dynamik erhielt die Diskussion, als 1993 Lloyd Jowers in einem Interview behauptete, 100.000 $ für die Anwerbung eines Killers erhalten zu haben. Jowers, der ein Restaurant gegenüber dem Lorraine Motel führte, nannte nicht den Namen des Schützen, gab aber an, es handelte sich nicht um James Earl Ray. Die Familie von Martin Luther King jr., die nicht an eine Täterschaft Rays glaubte, strengte daraufhin ein Zivilgerichtsverfahren wegen fahrlässiger Tötung an, dessen Geschworenen 1999 übereinkamen, dass es sich bei dem Attentat auf King um eine Verschwörung zwischen Mitgliedern der Mafia und der US-Regierung handelte. Die Jury stützte sich dabei im Wesentlichen auf die Aussagen Jowers, der wegen seines Gesundheitszustandes aber nicht vor Gericht aussagte. Ray war 1998 im Gefängnis gestorben und erlebte das Gerichtsurteil nicht mehr.
Eine 18-monatige erneute Untersuchung des Justizministeriums wies die Ergebnisse des Zivilverfahrens 2000 zurück, da sie auf Hörensagen und voreingenommenen Zeugen basiere. Insbesondere die Aussagen des inzwischen verstorbenen Jowers erschienen wenig glaubwürdig, da Bekannte von ihm offenbarten, dass er auf einen Vertrag über die Filmrechte an seiner Geschichte hoffte. Die meisten mit dem Fall vertrauten Experten schenken den Ausführungen des Gerichts ebenfalls keinen Glauben. Zwar gäbe es für eine Verschwörung keine Beweise, es sind allerdings auch nicht alle Ungereimtheiten des Falles restlos aufgeklärt.
King und das FBI King hatte ein auf Gegenseitigkeit beruhendes, feindseliges Verhältnis zum FBI, der Hauptermittlungsbehörde des US-amerikanischen Justizministeriums. Besonders der damalige FBI-Chef J. Edgar Hoover hegte starke Antipathien gegen den Bürgerrechtler. Das FBI begann 1961, King und andere Funktionäre der SCLC zu beobachten. Die Untersuchungen verliefen recht oberflächlich, bis man 1962 herausfand, dass einer von Kings engsten Beratern der New Yorker Anwalt Stanley Levison war. Levison wurde vom FBI verdächtigt, mit der „Kommunistischen Partei der USA” zusammenzuarbeiten, was bei dem damals weit verbreiteten Antikommunismus ein Warnsignal für die Bundesbehörde bedeutete. Das FBI platzierte daraufhin Abhörgeräte in Levisons und Kings Zuhause sowie an deren Bürotelefonen und verwanzte auch die Hotelzimmer von King auf seinen Reisen durch die USA. Es wurden auch der damalige Präsident Kennedy und der damalige General-Bundesanwalt Robert Kennedy informiert, die beide erfolglos versuchten, King davon zu überzeugen, sich von Levison zu trennen. Der Schwarzen-Führer wies immer alle Vorwürfe, er hätte Kontakt zu Kommunisten, unnachgiebig zurück. King sagt dazu einmal: „there are as many communists in this freedom movement as there are Eskimos in Florida“ (etwa: „es gibt so viele Kommunisten in dieser Freiheitsbewegung wie Eskimos in Florida“), woraufhin Hoover King als „the most notorious liar in the country“ („den notorischsten Lügner des Landes“) bezeichnete.
Um King öffentlich als Kommunisten zu brandmarken, baute man auf dem Gefühl vieler Segregationisten auf, dass die Schwarzen eigentlich glücklich mit ihrem Los in der Gesellschaft seien, aber von Kommunisten oder anderen „Aufhetzern” zum Protest animiert würden. Führer einiger Schwarzen-Organisationen erwiderten daraufhin, dass oftmals fehlende Bildung und Arbeitsplätze, Diskriminierung und Gewalt die Gründe für die Stärke der Bürgerrechtbewegung seien und dass die Schwarzen die Intelligenz und Motivation hätten, sich autonom zu organisieren.
Später konzentrierte sich das FBI darauf, King durch Enthüllungen in Bezug auf sein Privatleben in Verruf zu bringen. FBI-Überwachungen von King (einige sind inzwischen veröffentlicht worden) zeigen, dass er sich auf zahlreiche außereheliche Affären eingelassen hatte. Berichte über solche Vorkommnisse wurden auch von Kings Weggefährten (inklusive seines engen Freundes Ralph Abernathy) zur Verfügung gestellt. Das FBI verteilte diese Ermittlungsergebnisse an die Exekutive, freundlich gesinnte Journalisten, potenzielle Koalitionspartner, Geldquellen des SCLC und Kings Familie. Es wurden auch anonyme Briefe an King versendet, in denen gedroht wurde, dass private Informationen veröffentlicht würden, wenn er nicht seine bürgerrechtliche Arbeit einstelle.
Schließlich ließ man von Kings persönlichem Leben ab und konzentrierte sich auf nachrichtendienstliche Informationen sowie die Arbeit der Spionageabwehr in Bezug auf die SCLC und die restliche Bürgerrechtsbewegung. Der Großteil der Ergebnisse der Abhörarbeit des FBI ist bis 2027 nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
Fragwürdige Autorenschaft vieler Schriften Anfang der 1980er Jahre kamen Fragen über die Autorenschaft von Kings Diplomarbeit, seinen Reden und seinen Schriften auf. So sind viele während seiner Karriere als Bürgerrechtler veröffentlichte Schriften von einem Ghostwriter verfasst worden oder zumindest stark an seine Reden angelehnt. Die Bedenken bezüglich seiner Diplomarbeit führten zu einer formalen Untersuchung von Universitätsangestellten. Diese Ermittlungen ergaben, das King etwa 1/3 der Arbeit von einer Schrift eines früheren Studenten übernommen hatte. Es wurde jedoch entschieden, ihm den Abschluss nicht abzuerkennen, da die Arbeit immer noch „einen intelligenten Beitrag zur Gelehrsamkeit liefert“ (Original: „makes an intelligent contribution to scholarship“).
Solche „textliche Aneignung“ (Original: „textual appropriation“), wie es der King-Gelehrte Clayborn Carson bezeichnete, war offensichtlich eine Angewohnheit, die von Kings früher akademischer Karriere herrührte. So entlieh er große Teile seiner Reden von anderen Pfarrern oder weißen Protestanten, die im Radio predigten. Während einige politische Gegner King aufgrund dieser Erkenntnisse kritisierten, versuchten die meisten Gelehrten, die sich mit King auseinandergesetzt haben, diese „textliche Aneignung” in einen größeren Zusammenhang zu stellen: Keith Miller beispielsweise, der wahrscheinlich herausragendste Experte auf dem Gebiet der Plagiatisierung Kings, argumentiert, dass „solche Praktiken in die Tradition der afro-amerikanischen Volkspredigten fallen und nicht notwendigerweise als Plagiatisierung bezeichnet werden sollten”. Nachleben ...
Zurück
Quelle: wikipedia.ch
|
|