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Er sagte von sich, dass all seine Arbeit "von Gott, für Gott und für sein Volk sei": In seinem langen Leben sollte Thomas A. Dorsey ("Georgia Tom") zu einem der "Väter des Gospel" aufsteigen. Eigentlich war seine Karriere schon vorgezeichnet, als er am 1. Juli 1899 in Villa Rica, rund sechzig Kilometer von Atlanta zur Welt kam: Sein Vater war Geistlicher, seine Mutter Klavierlehrerin.
Doch in seinen Teenagerjahren war es vor allem die säkulare Musik, die ihn prägte und interessierte – schon im zarten Alter von zwölf Jahren spielte Dorsey an Hauspartys und in Bordellen und wurde bekannt als "Barrelhouse Tom". 1916 zog er mit seiner Familie von Georgia nach Chicago, wo er an der Schule für Komposition und Arrangement sein musikalisches Talent verfeinerte. Daneben arbeitete er als Agent für Paramount Records. 1920 veröffentlichte Dorsey seine ersten Kompositionen – im folgenden Jahrzehnt sollte er als Bluesmusiker grosse Bekanntheit erlangen: Ma Rainey bat ihn 1924, für sie eine Background-Band zusammenstellen (in der "Wild Cats Jazz Band" wirkte Dorsey auch selbst mit), und 1928 folgte sein grösster Blues-Hit zusammen mit Tampa Red (eigtl. Hudson Whittaker) – das leicht anzügliche "It's Tight Like That" verkaufte sich sieben Millionen Mal.
Daneben schrieb er auch bereits erste religiöse Lieder. Zunehmend unzufrieden mit den herkömmlichen Methoden des Musikvertriebs, baute er Anfang der 1930er Jahre seinen eigenen Musikverlag auf – das Dorsey House of Music in Chicago. 1932 wurde dann zum Schicksalsjahr: Dorseys Frau Nettie Harper starb im Wochenbett und ihr gemeinsamer Sohn am Tag danach. Dieses einschneidende Erlebnis führte dazu, dass Dorsey sich vom Blues verabschiedete und sich ausschliesslich dem Gospel widmete. Die Trauer verarbeitete er im Lied "Take My Hand, Precious Lord" – bis heute ein Klassiker des Genres. Martin Luther King, Jr. nannte es eines seiner Lieblingslieder, und Lyndon B. Johnson wünschte sich, dass es an seiner Beerdigung gesungen würde.
Ebenfalls 1932 wurde Dorsey musikalischer Direktor der Pilgrim Baptist Church in Chicago – ein Job, den er bis in die späten 1970er Jahre ausüben sollte. Dorsey arbeitete intensiv mit vielen anderen Grössen des Gospel zusammen, unter anderem mit Mahalia Jackson, für die er viele Songs, darunter das bekannte "Peace In The Valley" schrieb.
1982 wurde er als erster Schwarzer in die Gospel Music Association's Living Hall of Fame aufgenommen. Mit zunehmendem Alter litt Dorsey unter den Folgen von Alzheimer; am 23. Januar 1993 starb er im 94. Altersjahr in Chicago.
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Quelle: Ruedi Haenni, Redaktion "Sonntag" und "Leben & Glauben"
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