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Gospel hat viele unterschiedliche Facetten und je nach Kirchengemeinde ist diese Musik mit verschiedenen Merkmalen behaftet. Gewisse Elemente jedoch, die stilbildend sind, wurden für diese Musikrichtung bekannt. Einer de Gemeinsamkeiten ist, dass die meisten Gospelsongs Gesangsstücke sind. Allerdings gibt es jüngerer Vergangenheit nach auch rein instrumentale Gospelaufnahmen. In diesen Liedern geht es jedoch oft um verbale Botschaften, daher werden diese solistisch oder chorisch vorgetragen.
Die wesentlichen Merkmale des Gesanges sind lautes, emotionales Singen mit einer ungeheuren Expressivität.
Im Allgemeinen ist der Klang der Gospelmusik als positiv, optimistisch und fröhlich zu bezeichnen. Die Texte handeln vom Loben, dem Danken und von der Hoffnung, welche aus dem Glauben an Gott entspringt. In Ihren Grundzügen sind langsame als auch schnelle Stücke fröhlicher Natur.
Diese Fröhlichkeit ist keine oberflächliche, sondern sie entstammt einer grossen Leidensgeschichte von der Sklavenzeit bis heute. Somit ist der positive Ausdruck in den Liedern, die tiefe innere Erfüllung der Singenden mit Freude und Hoffnung. Aus diesem Grund wird den meisten schwarzen Gospelchören eine grosse Authentizität bezüglich der Liedinhalte, mit ihrer emotionsgeladenen Performance nachgesagt.
Das Entwickeln von Liedern aus Predigten sowie das kommunikative Prinzip der Negro Spirituals mit dem Call & Response, blieben den Gospelsongs erhalten. Egal ob Pastor mit Gemeinde, Solist mit Chor oder Band mit Sängern, fast immer findet sich in den Liedern das Prinzip der Wechselgesänge.
In den 30er Jahren wurde in den Kirchen auch nach dem Muster der Ring-Shouts getanzt. Unter dem treibenden Rhythmus der Instrumente wurden die ekstatischen Phasen im Gottesdienst stärker und länger. In den originalen Ring-Shouts, Worksongs und Negro Spirituals war die afrikanische Melodik noch weitgehend enthalten. Da die Intonation von unserem Tonsystem abweicht, lassen sich die afrikanischen Modelle nicht mit unseren europäischen Tonsystemen erfassen. Im Verlauf der Vermischung der Musikkulturen erwuchsen daraus die Blues Notes und Pentatoniken.
Die Pentatonik ist eine halbtonlose Skala, die weder Moll noch Dur kennt und nahezu in allen Kulturen der Welt anzutreffen ist. Man kann diese Skala mit jedem Ton beginnen. Ein weiteres Charakteristikum sind die Blue Notes. Dabei handelt es sich um die „blue third“, „flatted fifth“ und die „blue seventh“. Dies sind Tonleitertöne, die etwa einen Viertelton tiefer liegen, als es das europäische Tonsystem vorsieht. „blue third“ tritt dabei am häufigsten auf. In der deutschen Sprache wird sie als Blues-Terz bezeichnet.
Die Blue Notes werden oft zusätzlich zur „normalen“ Tonleiter gebraucht und je nach Phrase eingesetzt. Besonders stark wurde diese Melodik im Blues und im Gospel von Sängern, Bläsern und Gitarristen benutzt. Pianisten, welche die Intonation des Klaviers nicht verändern können, bedienen sich so genannter Cluster oder Vorschläge. Durch das gleichzeitige Spielen von reinen Tönen und einer kleinen Sekunde darunter entsteht ein ähnlicher „blue“ oder „dirty“ Klang. In Anlehnung an die Pianisten werden diese Vorschläge auch häufig von Bläsern gespielt.
Die europäischen Akkordfolgen bildeten nicht die harmonische Grundlage bei den alten schwarzen Gesängen, sondern meistens nur ein tonales Zentrum im Sinne eines Grundtones. Später gab es den Wechsel mit der Subdominante und gelegentlich erschien auch die Dominante. Hauptsächlich bestanden die frühen Bluesschemata aus Tonika und Subdominante, bis sich um 1912 die heutige 12-taktige Form entwickelte, in der Tonika, Subdominante und Dominante ihren festgelegten Platz haben. Aus dem Wechselspiel zwischen Tonika und Subdominante entstanden im späteren Gospel und im Blues bestimmte Motive (so genannte Riffs). Diese wurden von Gitarristen und Pianisten aufgegriffen und waren auch für den Boogie-Woogie stilbildend. Diese Akkordwechsel werden als plagale Kadenz oder umgangssprachlich als „amen chords“ bezeichnet.
Gegenüber dieser sehr ursprünglichen schwarzen Musik gab es eine weitergeführte Art der Gospelmusik, welche auf einem Harmonieschema aufgebaut war, die als „close harmony“ bezeichnet wird. Close Harmony, aus dem traditionellen europäischen System hergeleitet, benutzt skalenartige Melodien über Harmonieschemata mit Zwischen-dominanten. Gospelgruppen benutzten diese Art von Harmonik in der Tradition der Fisk Jubilee Singers, wie z.B. das Golden Gate Quartett. Die Jazzharmonik (d.h. die Harmonik des Blues und des Swings) wurde im Gospelsong der 30er Jahre mit einbezogen. Die Melodik und Harmonie ist in der Gospelmusik vom Blues kaum zu unterscheiden. Musikforscher sind sich einig, dass der Gospelsong im Grunde den Blues mit religiösen Texten darstellt oder umgekehrt der Blues die weltliche Form der Gospelmusik ist.
„Natürlich kommt auch vieles im Blues aus der Kirche. Den ersten Boogie-Woogie meines Lebens habe ich in der Kirche gehört.“ (T-Bone Walker, Bluessänger)
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